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MME – Spannungsmessung in Bewehrungsstählen
Materialprüfung

Spannungsmessung in Bewehrungsstahl: das MME-Verfahren

Zerstörungsarme Messung der effektiven Stahlspannung in bestehenden Bauwerken

Das weltweit erste Verfahren zur zerstörungsarmen Messung der effektiven Spannung in Bewehrungs- und Spannstählen bestehender Bauwerke. Mikromagnetisch (3MA), peer-reviewed, patentiert – entwickelt mit Fraunhofer IZFP und ZHAW.

Messgrösse
Effektive Spannung in Bewehrungs- / Spannstahl
Messprinzip
Mikromagnetisch (3MA), 4 kombinierte Verfahren
Genauigkeit (kalibrierter Stahl)
±50 MPa
Genauigkeit (unbekannter Stahl)
±100 MPa

Beschreibung

Die MME (Mikromagnetische Materialcharakterisierung und Eigenspannungsmessung) bestimmt die effektive Spannung in Bewehrungs- und Spannstählen bestehender Bauwerke, ohne das Bauteil zu zerstören. Während Statikprogramme die Stahlspannung aus Annahmen über Steifigkeiten, Lasten und Abmessungen rechnen, misst die MME den realen Zustand am Stahl selbst. Das Verfahren beruht auf der mikromagnetischen 3MA-Prüftechnik: Aus vier kombinierten Auswerteverfahren – Oberwellenanalyse, Barkhausen-Rauschen, Überlagerungspermeabilität und Mehrfrequenz-Wirbelstrom – werden 76 mikromagnetische Parameter extrahiert, von denen 40 in die Spannungsberechnung einfliessen. Die Auswertung stützt sich auf eine Kalibrierdatenbank aus 120 Proben europäischer Betonstähle (Baujahre 1930er bis 2012, alle Herstellverfahren) und lernt mit jeder weiteren Kalibriermessung dazu. Die MME wurde von Enertec Engineering gemeinsam mit dem Fraunhofer IZFP Saarbrücken und der ZHAW (IDP) entwickelt und KTI-gefördert. Das Verfahren ist patentiert und peer-reviewed publiziert: H. Gundelwein, W. Zellweger, «Entwicklung und Anwendung eines Baustellenmessgeräts zur Bestimmung der Spannung in Bewehrungsstählen», Beton- und Stahlbetonbau 108 (2013), S. 835–844, DOI 10.1002/best.201300065 – zudem vorgestellt auf der DGZfP-Fachtagung Bauwerksdiagnose 2016. Die Kalibrierdatenbank umfasst inzwischen rund 10'000 Kalibriermessungen an Bewehrungsstählen ab Baujahr 1930. Der vollständige Fachartikel steht unten zum Download bereit.

Anwendungen

  • Bauwerksdiagnostik an Brücken und Spannbetonbauwerken
  • Ermüdungs- und Lebensdauerbewertung bestehender Tragwerke
  • Verifikation rechnerisch mangelhafter Ermüdungswiderstände
  • Entscheidungsgrundlage vor Verstärkungs- und Sanierungsmassnahmen
  • Zustandsbewertung von Bestandsbauten im Hoch- und Brückenbau

Merkmale

  • Misst die reale, effektive Stahlspannung – statt sie aus Annahmen zu rechnen
  • Zerstörungsarm: Querschnittsverlust ≤ 5 % an der Koppelfläche
  • 98,4 % der Prognosen mit Abweichung ≤ 100 MPa, 79,4 % ≤ 50 MPa (Kreuzvalidierung)
  • Mikromagnetische 3MA-Technik mit 76 Parametern, 40 davon in der Spannungsberechnung
  • Selbstlernende Kalibrierdatenbank über alle gängigen europäischen Betonstähle
  • Baustellentauglich: Laptop, 230 V oder Batterie, auch über Kopf einsetzbar

Spezielle Merkmale

  • Weltweit erstes Verfahren zur Spannungsmessung in Bewehrungsstählen bestehender Bauwerke
  • Peer-reviewed publiziert (Beton- und Stahlbetonbau 108/2013, DOI 10.1002/best.201300065)
  • Vorgestellt auf der DGZfP-Fachtagung Bauwerksdiagnose 2016
  • Rund 10'000 Kalibriermessungen an Bewehrungsstählen ab Baujahr 1930
  • Entwickelt mit Fraunhofer IZFP Saarbrücken und ZHAW (IDP), KTI-gefördert
  • Patentiert

Messprinzip – mikromagnetisch statt gerechnet

Die MME nutzt die mikromagnetische 3MA-Prüftechnik. Ein Prüfkopf wird über eine gefräste Koppelfläche auf den freigelegten Bewehrungsstahl aufgesetzt und magnetisiert diesen lokal. Aus der magnetischen Antwort werden vier Verfahren kombiniert – Oberwellenanalyse, Barkhausen-Rauschen, Überlagerungspermeabilität und Mehrfrequenz-Wirbelstrom – und daraus 76 Parameter gewonnen. Über ein nichtlineares Regressionsmodell (entwickelt mit der ZHAW) werden 40 dieser Parameter auf die effektive Spannung abgebildet. Eine Vorstudie mit Ultraschall scheiterte an Textur- und Eigenspannungseinflüssen sowie der schwierigen Ankopplung an Bewehrungsstahl – deshalb der mikromagnetische Weg.

Genauigkeit

In der stabweisen Kreuzvalidierung liegt die Prognoseabweichung bei ±50 MPa für Stähle, die mit Typ, Hersteller, Durchmesser und Alter in der Kalibrierdatenbank vertreten sind, und bei ±100 MPa für unbekannte Stähle unter Einhaltung der Randbedingungen. 79,4 % der Prognosen weichen um ≤ 50 MPa ab, 98,4 % um ≤ 100 MPa; der Median der absoluten Abweichung beträgt 23,8 MPa. Die Datenbank umfasst 120 Proben europäischer Betonstähle der Baujahre 1930er bis 2012 über alle Herstellverfahren (naturhart, kaltverformt, thermomechanisch, mikrolegiert, warmgewalzt) im Zug- und Druckbereich von −200 bis +400 MPa. Mit jeder Kalibriermessung – etwa aus einer Bauteilentnahme – wird das Modell genauer.

Messablauf auf der Baustelle

Die Bewehrung wird lokal auf rund 200 × 70 mm freigelegt, die Messstelle senkrecht zu einem Riss gewählt. Mit einer portablen Fräsvorrichtung wird eine Koppelfläche von 6 × 150 mm angelegt (Querschnittsverlust ≤ 5 %, auch über Kopf möglich). Der Prüfkopf wird mit Zentriereinrichtung fixiert; sechs Einzelmessungen à rund 10 Sekunden mit 1 cm Versatz ergeben ein robustes Mittel. Eine Messstelle benötigt etwa 5 Minuten lastruhige Zeit (bei Brücken wird Schwerverkehr kurz umgeleitet). Aus dem Messwert wird über einen Verbundfaktor von 1,5–1,6 die Spannungsspitze am Riss bestimmt.

Referenzprojekte

Viadukt Bülach Nord (Unterlandautobahn S-10, Auftrag Tiefbauamt Kanton Zürich): Der vorgespannte Hohlkasten von 1970 wies rechnerisch einen stark mangelhaften Ermüdungswiderstand auf. MME-Messungen, kombiniert mit DMS und einem Belastungsversuch über vier Monate Monitoring, zeigten eine Beanspruchung weit unter der Dauerfestigkeit – auf eine strukturelle Verstärkung konnte vollständig verzichtet werden. Logistikzentrum eines grossen Schweizer Möbelhauses (Stahlbeton-Rippendecken, 1971): Eine Umstellung auf Staplerbetrieb erzeugte rechnerisch ein Ermüdungsdefizit. Die MME zeigte die realen Momentennullpunkte und reduzierte die nötige CFK-Verstärkung drastisch – der Eigentümer sparte mehrere hunderttausend Franken. In beiden Fällen hat die Messung nicht Schäden gefunden, sondern unnötige Sanierungen verhindert.

Grenzen des Verfahrens

Die MME ist heute für Stabdurchmesser von 10–20 mm ausgelegt (grössere Durchmesser sind als Weiterentwicklung beschrieben). Nicht messbar sind austenitische bzw. nichtrostende Stähle und verdrillte Vorspannlitzen; Vorspanndrähte nur mit gesonderter Kalibrierung. Das Verfahren erfasst keine flächigen oder räumlichen Spannungszustände, die Messstelle muss korrosions- und rissfrei sein, und während der Messung dürfen keine dynamischen Spannungswechsel auftreten (statische bzw. langsame Lastversuche).

Technische Daten

MessgrösseEffektive Spannung in Bewehrungs- / Spannstahl
MessprinzipMikromagnetisch (3MA), 4 kombinierte Verfahren
Genauigkeit (kalibrierter Stahl)±50 MPa
Genauigkeit (unbekannter Stahl)±100 MPa
Median der Abweichung23,8 MPa
Stabdurchmesser10 – 20 mm
Kalibrierdatenbank120 Proben (−200 bis +400 MPa)
Messdauer pro Messstelleca. 5 min

Downloads

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  • Fachartikel: Beton- und Stahlbetonbau 108/2013 – Baustellenmessgerät zur Spannungsbestimmung (Sonderdruck)

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